Wahlbeteiligung im Aufwind
Baden-Württemberg hat gewählt
Nachdem bereits die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt deutlich öfter als bei der letzten Landtagswahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten; hat auch die Wahlbeteiligung in Baden-Württemberg ein deutliches Plus erfahren. Bei der Landtagswahl am 27.03.2011 lag diese in Baden-Württemberg bei 66,3%. Bei der letzten Landtagswahl 2006 hatten nur 53,4% der Baden-Württemberger den Weg ins Wahllokal gefunden. Mit diesem Ergebnis liegt Baden-Württemberg derzeit vorne, was die Wahlbeteiligung angeht. Mit 12,9 Prozentpunkten fällt auch die Steigerung am bisher Höchsten aus. Für eine erste Analyse der Wahlergebnisse sei der Kurzbericht der Forschungsgruppe Wahlen empfohlen: http://www.forschungsgruppewahlen.de/Aktuelles/Wahl_Baden-Wuerttemberg/Newsl_BaW11.pdf
In Rheinland-Pfalz stieg ebenfalls die Wahlbeteiligung
Die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben in diesem “Superwahljahr 2011” mit einem deutlichen Plus bei der Wahlbeteiligung den Weg zu mehr Wahlbeteiligung aufgezeigt. Eine Woche später haben die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ebenfalls nachgezogen: Während in Baden-Württemberg die Wahlbeteiligung gleich um 12,9 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Landtagwahl stieg, fiel die Steigerung in Rheinland-Pfalz etwas geringer aus: Die Wahlbeteiligung lag nach dem amtlichen Endergebnis bei 61,8%. Das sind 3,6 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Landtagswahl 2006.
Das Dilemma zwischen Politik und Medien
Über Schuld und Sühne der Medien
Über die politische Kommunikation gibt es unzählige Zeitgeister, die tiefgreifende Analysen, Bewertungen und Thesen aufgestellt haben. Das gleiche gilt für die Rolle der Medien als die oft zitierte „vierte Staatsgewalt“. Beide sind wichtige Sparings-Partner in einer Demokratie. Politische Meinungen müssen verbreitet werden, wollen analysiert sein und mundgerecht dem Bürger auf einem Tablett serviert sein – dafür sind u.a. die Medien, wie Zeitung, TV, Internet und weitere da.
Politiker und die Medien sind mit den Jahren eine paradoxe Symbiose eingegangen. Die Medien wanken zwischen politischen Entertainment und der gesellschaftlichen und politischen Aufklärung. Die Politiker wiederum suchen mittels der Medien den Zugang zur Bevölkerung und verstehen sich in der Inszenierung ihrer selbst. Getreu dem Motto – je lauter ich auf einem Marktplatz schreie, umso mehr Aufmerksamkeit bekomme ich, egal ob mich einer versteht oder nicht.
Zwei Fragen stellen sich bei diesem Thema :
- Kommen die Medien ihrer eigentliche Aufgabe der „vierten Gewalt“ noch nach oder warten sie nur auf den politischen Dieter Bohlen, der Ihnen die Auflage oder Einschaltquote bringt?
- Ist der Fokus der politischen Kommunikation eigentlich noch der Bürger oder ist sie nicht eher auf die Medien ausgerichtet?
Politainment
Hinter den Medien stecken große und kleine Unternehmen. Sie sind, wie jedes privatwirtschaftliche Unternehmen dem Wettbewerb unterstellt. Im Sinne des eigenen Selbsterhaltungstriebes versuchen sich die Unternehmen von ihren Konkurrenten abzusetzen. Selbstverständlich schaffen sie das über die Anzahl der Personen, die ihre Medien wie Zeitung und Fernsehen nutzen. Denn die Anzahl dieser Personen gibt letztlich den Ausschlag, ausreichend Geld für Anzeigen und Werbung zu erhalten. Was tun, wenn die Gesellschaft den Eindruck erhält, Politik sei unattraktiv und wegschaltbar? Denn, wenn keine Nutzer; dann keine Anzeigen und Werbung; das birgt die Gefahr für den Selbsterhaltungstrieb. Das auslaufende Produkt Politik müsste aus Unternehmenssicht aus dem Produktportfolio der Medienunternehmen genommen werden.
Aus der Pflicht eine Tugend machen. Die Lösung: Wir machen Politik wieder attraktiv. Attraktiv ist, was weniger Politik ist und mehr Entertainment– denn das Publikum will es so. Es möchte krächzende Dieter Bohlens haben oder einen politischen Mario Barth.
Da verweilt Ulla Schmidt (ja, SPD) mit ihrer Story des gestohlenen Dienstwagens fast zwei Wochen auf den Titelseiten. Und der Herr von Guttenberg steht nicht wegen seiner angestrebten Bundeswehr Reform im Mittelpunkt, die nebenbei gemerkt wohl die größte Reform der Bundeswehr in Ihrer 56 jährigen Geschichte ist – stattdessen gibt es lieber Polittalks bei Anne Will, die der Frage auf den Grund gehen: Warum der Theodor denn nur so beliebt sein kann? Gut der Keks ist nun auch schon zebröselt. Oder man sortiert halt die Politiksparte gleich aus und verw(a)ist sie auf einen eigenen Sender (Phönix), damit die Quotenkurve konstant niedrig bleibt.
Was bleibt?
Das Dilemma zwischen Profit eines Medienunternehmens und einem nicht nachgefragten politischen Angebot, ist eine Frage der Kreativität des Unternehmens (man hat es ja auch geschafft, den Eurovison Song Contest wieder attraktiv zu machen).
Die Vielzahl der unterschiedlichen Medien und ihrer speziellen Zielgruppen ermöglichen jeden sich individuell von Politik bis Entertainment zu informieren. Dabei spielen die öffentlich Rechtlichen eine wichtige Funktion. Sie sind aufgefordert unabhängig für Substanz zu sorgen und für Qualität im Journalismus. Die Auswahlmöglichkeit der Medien zwischen Print, TV – auch untereinander, sichert letztlich die Erfüllung der Aufgabe der Medien.
Jedoch sollte jedes Medienunternehmen im Rahmen seines Handels ein Stück gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und gute, politische und gesellschaftliche relevante Inhalte ohne den Fokus auf Spiel, Spaß und Gewinn dem Publikum sponsern.
Sachsen-Anhalt startet Trend zu mehr Wahlbeteiligung
Welch ein Wunder! In den letzten Jahren ging die Wahlbeteiligung bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen in Deutschland stetig zurück. Die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben nun bei der Landtagswahl am 20.03.2011 den Auftakt zu mehr Wahlbeteiligung gesetzt. Während bei der letzten Landtagswahl 2006 nur 44,4% der Wahlberechtigten an der Wahl teilnahmen, stieg die Wahlbeteiligung laut Landeswahlleiter nun auf 51,2%. Damit liegt Sachsen-Anhalt zwar immernoch auf dem letzten Platz. Der Trend setzte sich aber eine Woche später bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fort. Ob das Mehr an Wahlbeteiligung nun allein an den Aktivitäten der Wahlschlepper liegt, überlassen wir der Einschätzung unserer geneigten Leser…
Reiher-Stecher-Duell
Neu auf wahlschlepper
- Wahlbeteiligung im Aufwind
- Das Dilemma zwischen Politik und Medien
- Sachsen-Anhalt startet Trend zu mehr Wahlbeteiligung
- Der Deutsche Bundestag
- Hamburger verpatzen Auftakt im Superwahljahr 2011

Geschrieben von Martin Reiher in


