Fünf Minuten Ruhm – Ich will ins Fernsehen!!!

Posted Geschrieben von Alexander Pehling in Superwahljahr 2009     Comments Keine Kommentare
Aug
3

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Wahlbeteiligung und dem Fersehen?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Wahlbeteiligung und dem Fersehen?

Ich versuche mich mal zurück zu erinnern. Die Meilensteine der deutsche Fernsehkultur: Hans Meiser, Arabella Kiesbauer, Vera am Mittag, Andreas Thürk, danach explodierte die Zahl der Daily Talks völlig. Gut, weiter: Big Brother, Der Bachelor, Dschungelcamp, Frauentausch und jetzt auch noch das Sommermädchen. Dann noch Popstars, DSDS, und was weiß ich noch alles … Fernsehen ist für mich eine Qual geworden. Ok, die Fernsehnation braucht Unterhaltung. Das war schon immer so. Trotzdem ist in den letzten 20 Jahren ein unglaublicher Niveauverlust festzustellen.

„Meine Damen und Herren, auch im heutigen Abendprogramm sinkt für Sie: das Niveau.“

Wurden die Leute früher nicht auch unterhalten? Woran liegt das? Das schlimme daran ist, dass nicht nur die als solche konzipierten Unterhaltungsformate ohne jeden Informationswert angeboten werden (sieht man mal von den Produktinformationen und Kaufempfehlungen ab), sondern inzwischen sogar Wannabe-Wissenschaftsformate und sogar die Newsformate immer mehr zur reinen Entertainmentfalle werden.

Galileo und Co. bieten zwar mitunter relativ hochwertige Beiträge an, im Endeffekt wird aber hauptsächlich über die Herstellung von Apfelstrudel, den unglaublich schweren Alltag eines Hausmeisters in der Berliner Gropiusstadt oder den großen Test von sinnbefreiten Strandgadgets berichtet. RTL-News schafft es 40% der Sendezeit dem Berlinbesuch von Brangelina oder der letzten Oskarverleihung zu widmen und sogar die morgendlichen Nachrichtensendungen auf N24 und N-TV nutzen einen ganzen Morgen 80% der Sendezeit um wieder und wieder über den neuesten und dramatischen Flugzeugabsturz in Hintertupfingen zu berichten. Ganz so, als wenn just an diesem Tag weiter nix in der Welt passiert wäre.

Vielleicht haben sich ja die Wirtschaftskrise, der Krieg in Afghanistan und der gesamte Bundestag wegen Bestürzung einen Tag Auszeit genommen, um der Opfer des Absturzes zu gedenken.

Wäre ich ein leidenschaftlicher Anhänger von Verschwörungstheorien, würde ich mich den ganzen Tag fragen, wovon man uns ablenken will.

Ich denke, ich würde wahnsinnig werden. So denke ich mir eigentlich nur dass es sehr schade ist, dass einem die Versorgung mit relevanten Informationen mehr Eigeninitiative abfordert, als nur die Abendnachrichten zu schauen. Was die Aufklärung und Information der breiten Masse der Bevölkerung unglaublich erschwert, bzw. unmöglich macht.

Kein Wunder, dass die dann lieber auf die leicht zu konsumierende Unterhaltung der Hartz IV-TV Angebote ausweicht und ihr Wissen über die Politik aus der Bildzeitung übernimmt. Frage: „Wer ist Angela Merkel?“ Antwort: „Hmm, ich kenn die! Das ist doch ´ne Schauspielerin!“

Daher komme ich zu folgender These:

Steigende Politikverdrossenheit und drastisch sinkende Wahlbeteiligung in den letzten 20 Jahren hängen kausal zusammen mit dem massiven Verlust an barrierefreier Versorgung mit relevanten Informationen…


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