Wählen mit 16

Posted Geschrieben von Björn Stecher in Meinung, Superwahljahr 2009     Comments 2 Kommentare
Apr
20
Wählen mit 16.

Wählen mit 16.

Mal wieder gibt es eine Debatte ob das Wahlalter in Deutschland auf 16 Jahre gesenkt werden soll. Zurzeit darf man ja bekanntlich erst mit 18 Jahren an der Bundestagswahl teilnehmen. Nun überlegen die Parteien es unseren österreichischen Nachbarn gleich zu tun und wollen auch die 16 jährigen Bürger und Bürgerinnen an die Wahlurne bitten. Der Vorstoß der Grünen und der FDP wird nun auch von der SPD unterstützt. Damit sollen sich die Jugendlichen „verstärkt in die Gesellschaft einbringen können“. „Für die Demokratie begeistern“, meinte Grünen Chefin Claudia Roth.

Reicht das?

Durch mehr Teilhabe an der Demokratie versuchen die Parteien die Jugendlichen für die Politik zu gewinnen. Das zunehmende Desinteresse möchte man damit auffangen und der Demokratie mehr Schwung geben. Aber reicht das?

Natürlich nicht! Es ist aber ein kleiner wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Von zentraler Bedeutung, und das darf man nicht aus den Augen verlieren, ist die politische Bildung die noch sehr mangelhaft ist. Damit auch die jüngeren Wähler sich mit Begriffen, wie „Oppossition“ oder „Bundesrat“ auskennen, ist noch viel Nachholbedarf auf diesem Gebiet notwendig. Die Inhalte müssen interessant vermittelt werden und dürfen nicht als staubtrockner Wüstensand bei den Jugendlichen ankommen. Mit Projekten und anderen Methoden schafft man es, dass Jugendliche stärker in der Politik mitwirken. Wir dürfen uns dann aber nicht vor der Konsequenz fürchten, ihnen auch eine Stimme zu geben. Es sind doch die Jugendlichen die unser Gesellschaft gestalten und auch die Politik versucht generationsgerecht zu regieren – also sollten sie auch über Leistungen und Programme der Politik durch eigenes Stimmrecht mitentscheiden dürfen.

Steigt damit die Wahlbeteiligung?

Vermutlich wird die Wahlbeteiligung ertsmal sinken. Das Interesse der Jugendlichen an Politik ist zurzeit einfach noch zu gering und folglich würden sie auch nicht zur Wahl gehen. Da die Anzahl der Wahlberechtigten durch die jungen Wähler steigt wäre die Wahlbeteiligung sicher niedriger. Ein Erfolg wäre es nicht. Bemüht man sich aber den jüngen Wählern nicht nur formell die Tür zu öffnen damit sie mit 16 Jahren auch wählen können, sondern gibt ihnen auch die Instrumente in die Hand damit sie Entscheidungen treffen können und ihnen zeigt das Politik sexy ist und Spaß machen kann, so glaube ich schon, dass langfristig die Wahlbeteiligung steigen kann.

Was bleibt?

Ein kleiner Schritt für das Wahlrecht und ein großer für die jungen Wähler? Man kann Politikverdrossenheit und sinkendes Wählerinteresse nicht dadurch weg radieren, dass man das Wahlalter auf 16 Jahre senkt. Aber man kann Interesse für Politik schaffen. Politische Bildung ist zwingend und wenn man auch noch die Möglichkeit hat selber mit zu entscheiden dann wird Politik fassbarer und die Wahlbeteiligung steigt.


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2 Kommentare zu “Wählen mit 16”

  • Ich denke nicht unbedingt das die Wahlbeteiligung sinken würde. Es kommt drauf an, wer alles kandidiert. Kandidieren mehr junge Menschen, könnten sich die Jugendlichen auch eher mit diesen identifizieren und diese dann wählen.

  • Also ich halte grundsätzlich nichts von einer Absenkung des Wahlalters. Zu erst ein mal glaube ich nicht, dass es so einfach sein wird, die jungen Wähler für die Politik zu begeistern. Man schafft es heute ja kaum die bereits Wahlberechtigten zu begeistern. Es dürfte also noch schwerer werden, eine viel größere Menge Menschen für die Politik zu begeistern.
    Zudem braucht man keine Wahlberechtigung ab 16 Jahren um junge Menschen für die Politik zu begeistern. Es gibt ja kein Verbot, dass sich 16 Jährige in einer Jugendorganisation einer Partei engagieren. Gerade in Zeiten des Internets ist es noch einfacher geworden, politisch aktiv zu werden, sofern man denn möchte.

    Dann wäre da auch noch das Argument mit der politischen Bildung. Ich halte es für nicht gerechtfertigt, wenn wir heute von einer schlechten politischen Bildung unserer Jugend reden und sie aber gleichzeitig ermächtigen, schon ab 16 wählen zu dürfen. Das macht ja gar keinen Sinn. Ich kann ja auch kein Mechaniker werden, ohne vorher eine Ausbildung gemacht zu haben.

    Ich halte viel mehr davon, endlich für eine gute politische Bildung zu sorgen, damit die 18 Jährigen dann auch mit gutem Wissen wählen können. Die weiter sinkende Wahlbeteiligung ist jedenfalls eine Absenkung des Wahlalters nicht wert.

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