Wer ist eigentlich dieser Linksruck? – Über den Unterschied zwischen Politik und Polemik
Vor Ihm werden wir tagtäglich gewarnt, er ist gefährlich und böse und … aber wer ist er? Was viele nicht wissen, den gab es einst wirklich und zwar als Partei, auch noch ne ganz schlimme, da hatte nämlich der Verfassungsschutz die Augen drauf. Seit zwei Jahren gibt es die aber nicht mehr, der Begriff scheint also auf wundersame Weise eine neue Bedeutung bekommen zu haben. Wer ihn zuerst verwendet hat, vermag ich nicht festzustellen. Ich beobachte aber wo er am meisten vorkommt. In den Interpretationen der Umfrageergebnisse und in parteiinternen oder -übergreifenden Gerangeln um Wahlprogramme.
Warum die Bezeichnung einer ehemaligen, als verfassungsfeindlich eingestuften Partei nun als Begriff für eine klassische Methode herhalten muss um Wählerstimmen aus dem – in diesem Fall etwas linkeren Spektrum als dem eigentlichen Spektrum der jeweiligen Partei – zu gewinnen, ist mir so nicht ganz klar. Das hat mit Politik nämlich nicht sehr viel zu tun, man nennt das Polemik. Dieser Eindruck verstärkt sich noch wenn man bedenkt, in welchem Zusammenhang vor ein paar Jahren der Bruder von Linksruck herhalten musste. Der hieß Rechtsruck und warnte uns, dass die ganze Gesellschaft zugrunde gehen wird, weil die Nazis von irgendwoher mehr Stimmen bekommen hatten als sie eigentlich hätten haben sollen.
Darum mein Tipp zum Umgang mit solchen Begriffen: Umfrageinstitute wie Emnid oder Forsa stehen jeweils bestimmten Parteien nahe, dementsprechend fällt dann deren Interpretation und Wertung der Umfrageergebnisse aus. Wenn man das weiß, kann man den Ton des Kommentators ausblenden und die Zahlen auf sich wirken lassen. Bei parteiinternen oder –übergreifenden Schlammschlachten kann man derartige Äußerungen ebenfalls ausblenden und sollte sich stattdessen auf die Inhalte des Parteiprogramms konzentrieren.
In beiden Fällen wird man seine Entscheidung auf einer viel solideren Basis treffen können als wenn man sich auf polemische Äußerungen konzentriert oder die manipulative Wertung der Medien annimmt.
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Geschrieben von Alexander Pehling in